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Schaf- und Ziegenkrankheiten - Schadstoffe und Futtermittelvergiftungen

Lesen Sie hier einen Ausschnitt aus dem Kapitel "Schadstoffe und Futtermittelvergiftungen" aus dem Buch "Schaf- und Ziegenkrankheiten" von Johannes Winkelmann.

Lichtempfindlichkeitserkrankung
Leitsymptome
‹ Rötung an den unbewollten Hautpartien
‹ Juckreiz
‹ Bläschenbildung
Allgemeines: Es gibt eine primäre und eine sekundäre Lichtempfindlichkeit. Außerdem kommt eine Lichtempfindlichkeit unbekannter Ursache vor. Bei primärer Lichtempfindlichkeit führt die Aufnahme bestimmter Stoffe (Pflanzen, Arzneimittel) bei Sonneneinwirkung direkt zur Entzündung der Haut. Die sekundäre Lichtempfindlichkeit entsteht durch die leberschädigende Wirkung, z. B. von Pflanzeninhaltsstoffen, mit nachfolgender Erkrankung der Haut wegen der fehlenden Stoffwechselleistung der geschädigten Leber.
Primäre Lichtempfindlichkeit: Direkt wirksame Pflanzenstoffe sind im Buchweizen (wenig angebaut) und Johanniskraut enthalten. Diese Inhaltsstoffe verändern die Hautzellen, so dass sie nach Sonneneinstrahlung wie bei Sonnenbrand reagieren. Manche Wurmmittel (z. B. Phenothiazin) haben eine ähnliche Wirkung.
Sekundäre Lichtempfindlichkeit: Diese leberabhängige Lichtempfindlichkeit entsteht durch die Aufnahme von Schadstoffen, die die Leber angreifen. Die kranke Leber kann jetzt nicht alle Stoffe der Pflanzen abbauen, so dass sich ein lichtempfindlicher Stoff in der Haut ablagert, der bei Sonneneinstrahlung aktiviert wird und Hautzellen zerstört.
Lichtempfindlichkeit unbekannter Ursache: Bei einer Reihe von Pflanzen ist die Entstehung der Lichtempfindlichkeit nach der Verfütterung noch unklar: Luzerne, Rotklee, Wicken, Raps, Knöterich.
Symptome: Zuerst sieht man an den unbehaarten, unbewollten Hautpartien des Kopfes und der Ohren eine Rötung. Andere nicht durch Fell oder Wolle geschützte Hautregionen sind schließlich auch betroffen. Die gerötete Haut juckt sehr stark, die Tiere scheuern sich. Wie bei einem Sonnenbrand können Blasen und später Hautentzündungen entstehen.
Behandlung und vorbeugende Maßnahmen: Nach genauer Diagnose müssen die betroffenen Tiere auf schattige Weiden oder in den Stall gebracht werden. Es dauert einige Zeit, bis die lichtempfindlichen Stoffe in der Haut abgebaut sind, so dass auch nach Abklingen der Hautveränderungen die Erkrankung bei Sonneneinwirkung wieder auftreten kann. Eine Behandlung ist nur bei schweren Hautentzündungen notwendig. Weiden, die mit Johanniskraut oder anderen Pflanzen bewachsen sind, die zur Lichtempfindlichkeit führen können, dürfen nicht beweidet werden.

Vergiftungen durch Pflanzen
Leitsymptome
‹ Krämpfe
‹ Atemlähmung
Allgemeines: Vergiftungen durch Pflanzen sind seltene Ereignisse, da Schafe bei ausreichendem Futter- und Weideangebot schädliche Pflanzen meiden. Trotzdem kommen Pflanzenvergiftungen vor: durch Unachtsamkeit von Gartenbesitzern, aber auch durch Unkenntnis der Schafhalter. Es ist daher für jeden Schafhalter wichtig, einige Giftpflanzen zu kennen, wobei sich das besondere Augenmerk auf giftige Garten- und Zierpflanzen richten sollte, da diese oft auf Weideflächen geworfen werden und für Schafe dann zugängig sind. Von besonderer Bedeutung sind Eibe (Taxus baccata), Sadebaum (Juniperus sabina), Lebensbaum (Thuja occidentalis) und Rhododendron (Alpenrose, Rhododendron sp.).
Symptome:
Eibenvergiftung. Schafe und Ziegen fressen die Zweige, die eine große Menge der Giftstoffe enthalten. Ungefähr 10 g Eibenzweige/kg Körpergewicht (KG) können für Schafe tödlich sein. Die Vergiftung verläuft perakut, d. h. die Giftstoffe gelangen schnell in den Kreislauf und führen zur Lähmung des Atemzentrums und zu Herzlähmung. Eine Behandlung kommt in der Regel zu spät.
Sadebaumvergiftung. Die Spitzen des Sadebaumes sind für Wiederkäuer giftig. Der Giftstoff ist entzündungserregend. Die Tiere zeigen Krämpfe und Tod durch Atemlähmung.
Lebensbaumvergiftung. Die Schuppenblätter enthalten Giftstoffe, die zu Entzündungen und Krämpfen führen.
Rhododendronvergiftung. Diese Zierpflanze enthält einen Giftstoff, auf den Schafe und Ziegen besonders empfindlich reagieren. Dieser Stoff führt zu Entzündungen, zentralnervösen Erregungen und Atemlähmung.
Behandlung: Bei allen Vergiftungen richtet sich die Behandlung nach den Symptomen. Sie ist wenig spezifisch und oft unbefriedigend.
Vorbeugende Maßnahmen: Die Aufnahme der giftigen Pflanzen muss verhindert werden. Eine regelmäßige Überprüfung der Weideflächen und eine genaue Kenntnis der Giftpflanzen sind wichtig. Wenn Unsicherheit besteht, sollte man sich mit einem Untersuchungsinstitut oder einem Pflanzenschutzamt in Verbindung setzen und fragliche Pflanzen untersuchen lassen.
Wichtig: Gartenbesitzer werfen den Heckenschnitt in Unkenntnis der Giftigkeit oft auf die Weiden.

Artikelübersicht:


Mehr zum Buch finden Sie hier:

Schaf- und Ziegenkrankheiten Patient Tier
Schaf- und Ziegenkrankheiten. Johannes Winkelmann. 3., überarbeitete Aufl. 2005. 128 S., 99 Farbf., 28 Zeichn., 17 Tab., kart. ISBN 978-3-8001-4668-0. € 29,90

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